Die verbreitetsten Irrtümer im Steuerrecht

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  • „Das Finanzamt hat mir noch keine Steuernummer zugeteilt. Darf ich trotzdem schon Rechnungen schreiben?“
    • Auch ohne Steuernummer können schon Rechnungen an die Kunden geschrieben werden. Die Angabe der Steuernummer ist ohnehin allein umsatzsteuerrechtlich vorgeschrieben. Zivilrechtlich ist sie nicht erforderlich.
      Das Fehlen der Steuernummer hat lediglich die Folge, dass der Rechnungsempfänger die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt geltend machen kann.
      Dieser Fehler lässt sich aber beheben, indem der Rechnungsaussteller, sobald ihm die Steuernummer vom Finanzamt zugeteilt worden ist, diese seinem Kunden mitteilt. Es besteht also kein Grund, mit dem Rechnungsschreiben zu warten.
  • „Steuererklärung – einmal abgegeben, immer abgeben?“
    • Wer einmal (möglicherweise freiwillig und unaufgefordert) eine Einkommensteuererklärung abgegeben hat, ist nicht automatisch verpflichtet, auch in der Zukunft jährlich eine solche abzugeben.Vielmehr ergibt sich aus den Steuergesetzen (insbesondere § 46 Abs. 2 EStG, § 56 EStDV), wann die Verpflichtung dazu besteht. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Einkünfte vorhanden sind, die bislang nicht dem Steuerabzug unterlegen haben (beispielsweise Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder Renten) und diese den Grundfreibetrag (derzeit 8.354 EUR) übersteigen.Auf jeden Fall werden jedes Jahr „die Karten neu gemischt“ und die Frage, ob jemand zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet ist oder nicht, ist jedes Jahr neu zu entscheiden.
  • „Das Finanzamt hat die Ausgabe für xy im letzten Jahr aber auch anerkannt!“
    • Ob Einnahmen oder Ausgaben steuerlich zu berücksichtigen sind oder nicht, ist jedes Jahr neu zu entscheiden. Keinesfalls ist das Finanzamt an die Behandlung eines bestimmten Einnahme- oder Ausgabenpostens im Vorjahr auch für das aktuelle Jahr gebunden – vor allem dann nicht, wenn es dabei fehlerhaft gehandelt hat.Die Beurteilung eines Sachverhaltes ist für jedes Jahr neu vorzunehmen. Sofern sich dabei herausstellt, dass der Sachverhalt in der Vergangenheit falsch beurteilt wurde, darf das Finanzamt an dieser Beurteilung nicht festhalten, sondern muss seinen Fehler für die Zukunft korrigieren.
  • „Ich hatte hohe Fahrtkosten – bekomme ich die nicht über die Steuer erstattet?“
    • Die Einkommensteuer dient nicht dazu, dem Steuerzahler irgendwelche Kosten zu erstatten. Nur in ganz eng begrenzten Ausnahmefällen (haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerleistungen, Parteispenden) sieht das Gesetz eine anteilige Erstattung unmittelbar durch Minderung der Einkommensteuer vor.
      In allen anderen Fällen mindern die getätigten Aufwendungen bestenfalls das zu versteuernde Einkommen und auf dieses geminderte Einkommen zahlt man weniger Einkommensteuer. Die Steuerersparnis kann jedoch niemals so hoch sein, wie die geltend gemachten Ausgaben, da die Steuer ja stets nur einen Bruchteil des Einkommens ausmacht. Dementsprechend beträgt auch die Steuerersparnis durch absetzbare Aufwendungen nur einen Bruchteil dieser Aufwendungen selbst.
  • „Gegenüber dem Finanzamt muss man immer eine Steuernummer angeben.“
    • Es gibt keinerlei gesetzliche Pflicht, auf Steuererklärungen, bei Zahlungen an das Finanzamt oder in der Korrespondenz mit dem Finanzamt eine Steuernummer anzugeben.
      Lediglich für die Steueridentifikationsnummer, die allen Bürgern seit 2008 zugeteilt wird und diese lebenslang begleitet, ist vorgeschrieben (§ 139a Abs. 1 Satz 1 AO), dass sie bei Anträgen, Erklärungen oder Mitteilungen gegenüber Finanzbehörden anzugeben ist. Die Nichtangabe wird jedoch nicht bestraft.
  • „Ich habe neuerdings ein Nebengewerbe – Wie viel Steuern muss ich auf den Gewinn zahlen?“
    • Diese Frage kann in der Regel so nicht beantwortet werden. Und zwar deshalb, weil die Einkommensteuer grundsätzlich nicht auf eine bestimmte Einkunftsart oder -quelle erhoben wird, sondern stets auf das zu versteuernde (Gesamt)Einkommen – egal, aus welchen Quellen es sich speist.
      Man zahlt also beispielsweise nicht isoliert auf einen bestimmten Gewinn Steuer, sondern vielmehr fließt der Gewinn mit den übrigen Einkünften zusammen und auf der Basis der gesamten Einkünfte, von denen u.a. auch noch Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden, wird die Steuer berechnet.